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 CD     
  Chor des Bayerischen Rundfunks 
»Leise Töne der Brust«
Chormusik der Romantik in Aufnahmen von 1990 bis 2004


Johannes Brahms (1833–1897)
Fünf Gesänge, op.104
Leitung: Peter Dijkstra (2004)
1 Nr. 1: Nachtwache I
2 Nr. 2: Nachtwache II
3 Nr. 3: Letztes Glück
4 Nr. 4: Verlorene Jugend
5 Nr. 5: Im Herbst

Felix Mendelssohn Bartholdy (1809–1847)
Lieder im Freien zu singen
Leitung: Michael Gläser (1995)
6 Jagdlied, op. 59 Nr. 6
7 Morgengebet, op. 48 Nr. 5
8 Ruhetal, op. 59 Nr. 5

Johannes Brahms (1833–1897)
9 Darthulas Grabesgesang, op. 42 Nr. 3
Leitung: Michael Gläser (1998)

Robert Schumann (1810–1856)
Romanzen für Frauenstimmen, op. 91
Leitung: Rupert Huber (1992)
10 Nr. 1: Rosmarien
11 Nr. 2: Jäger Wohlgemut
12 Nr. 3: Der Wassermann
13 Nr. 4: Das verlassene Mägdlein
14 Nr. 5: Der Bleicherin Nachtlied
15 Nr. 6: In Meeres Mitten

Johannes Brahms (1833–1897)
aus Zwölf Lieder und Romanzen, op. 44
Leitung: Michael Gläser (2001)
16 Nr. 1: Minnelied
17 Nr. 8: Die Berge sind spitz
18 Nr. 9: Am Wildbach die Weiden

Fritz Stein (1879–1961)
19 Das Heimattal
Leitung: Michael Gläser (1993)

Friedrich Silcher (1789–1860)
20 Untreue
Leitung: Michael Gläser (1993)

Anton Bruckner (1824–1896)
21 Trösterin Musik
Leitung: Michael Gläser (1993)

Franz Biebl (1906–2001)
22 Feinsliebchen, du sollst mir nicht barfuß gehn
Leitung: Michael Gläser (1994)

Franz Schubert (1797–1828)
23 Der Lindenbaum
Leitung: Michael Gläser (1994)

Max Reger (1873–1916)
24 Es waren zwei Königskinder
Leitung: Michael Gläser (1990)
25 Trutze nicht
Leitung: Michael Gläser (1998)

total 65:42


Im Mai 2006 feierte der Chor des Bayerischen Rundfunks sein 60jähriges Bestehen. Eine besonders rasante künstlerischen Entwicklung nahm er in den Jahren 1990–2005 unter der Leitung von Michael Gläser. Regelmäßiger Gastdirigent in dieser Zeit war Rupert Huber. Ab Herbst 2005 übernahm mit Peter Dijkstra ein wahrer Shooting Star der Chorszene und ein äußerst vielseitiger Sänger und Dirigent die Leitung des Chores. Die vorliegende CD bietet einen Rückblick auf die jüngste Geschichte des Ensembles und bildet gleichzeitig eine kleine Anthologie des romantischen Chorliedes. Das 19. Jahrhundert erlebte eine Renaissance der weltlichen Chormusik und die Gründung unzähliger Chöre und Gesangsvereine. Nicht zuletzt Johannes Brahms begann seine professionelle Tätigkeit u.a. mit der Leitung eines Frauenchores und schuf ein umfangreiches Chorwerk.

Leise Töne der Brust

Für die Chormusik war das 19. Jahrhundert eine Phase tiefgreifender Veränderungen. Die Pädagogik förderte die Volksbildung durch das Singen von Liedern, das sich emanzipierende Bürgertum entdeckte den Chorgesang als Medium für Repräsentation und Identifikation. So verließ die vokale Mehrstimmigkeit ihren angestammten Platz in Kirche und Liturgie und eroberte sich den Salon, den Konzertsaal, die Bühne der Sängerfeste. Deutsche Städte leisteten sich Singakademien, große – bisweilen gigantische! – Laienchöre widmeten sich der Aufführung von geistlichen Oratorien. Noch wichtiger für die musikalische Breitenkultur wurde jedoch das Singen weltlicher Chormusik. Allerorts gründeten sich Gesangvereine, man traf sich zum geselligen Musizieren ohne Publikum, im Vereinslokal, am Stammtisch oder bei einer Landpartie.

Diese Entwicklung ging Hand in Hand mit der „Wiederentdeckung“ des Volksliedes, in dem Dichter und Musiker das Ideal einer längst verlorenen Einfachheit und Ursprünglichkeit erfüllt sahen. Poeten der Romantik sammelten überliefertes Volksgut und schufen Neudichtungen im Volkston. Des Knaben Wunderhorn. Alte deutsche Lieder, von Clemens Brentano und Achim von Arnim 1805 bis 1808 herausgegeben, wurde eine der wichtigsten Textquellen für die Vokalmusik der folgenden Jahrzehnte. Doch nicht nur das Volkslied, das durch seinen Einklang von Wort und Weise das Singen impli-ziert, sondern auch die zeitgenössische Lyrik wurde von den Komponisten des 19. Jahrhunderts vereinnahmt. Die Beziehung zwischen Dichtung und Musik wurde so innig, das Repertoire des Solo- und Chorliedes so beliebt, dass wir heute viele Verse nur in Verbindung mit einer Melodie kennen. Die Themen der vertonten Texte sind weit gespannt: fröhlicher Minnesang, übermütige Jagd, ruhelose Wanderschaft, idyllische Natur- und naive Märchenszenen. Vorherrschend jedoch sind leise Töne der Brust, Wehmut und unstillbare Sehnsucht, Verlust und Schmerz, der Wunsch nach Erfüllung im Tod. Und immer wieder dient die Natur als Bild für subjektive Empfindungen.

Den Komponisten bot die neue Chorbewegung ein breites Arbeitsfeld. Sie gründeten Ensembles, leiteten Proben und Konzerte und lieferten die geeignete Literatur. Friedrich Silcher etwa, der in Tübingen einer akademischen Liedertafel – also einem Männergesangverein – vorstand, hat uns weit über 100 Chorlieder für vierstimmigen Männerchor hinterlassen. Ein anderes prominentes Beispiel ist Johannes Brahms, der in Hamburg einen Frauenchor dirigierte und gerne die schwärmerische Verehrung der 40 Damen in Kauf nahm. Schon damals äußerten sich Kritiker argwöhnisch über Kunst, deren Popularität auf Volkstümlichkeit beruht. Diese Skepsis hielt jedoch keinen Tonsetzer davon ab, das Volkslied auf unterschiedlichste Weise in sein Werk zu integrieren. Die schlichte mehrstimmige Fassung eines Strophenliedes stellt die erste Stufe der Aneignung dar. Das Heimattal ist ein Muster für diesen Liedtyp, der den Chorgesang allen Schichten erschließen sollte. In seinen Romanzen für Frauenstimmen geht Robert Schumann einen Schritt weiter. Mit übersichtlichen Formen, eingängigen Melodien und folkloristischen Klängen ahmt er das Volkslied nach; in diesem vertrauten Rahmen jedoch erreicht er mit kleinen Effekten – einem pfiffigen Rhythmus, einer überraschenden Dissonanz – eine subtile Umsetzung des Textes. Die alte Ballade Es waren zwei Königskinder ist in der Bearbeitung von Max Reger in jedem Moment präsent und dennoch in manchen Abschnitten kaum wiederzuerkennen, da sie durch Chromatik und spätromantische Harmonik geradezu verfremdet wird. Der Lindenbaum hat den umgekehrten Weg genommen: Ursprünglich ein Kunstlied in Schuberts Winterreise, wurde die beliebte Melodie in einer leicht simplifizierten Version zum Volkslied par excellence und in der Folge auch mehrfach für Chor gesetzt. Dass weltliche Chormusik freilich auch ohne die Verankerung im Volkslied auskommt, hat Johannes Brahms mit einem Spätwerk de-monstriert. Seine Fünf Gesänge op. 104 bilden mit ihrem souveränen Gespür für den Chorklang, ihrer kontrapunktischen Meisterschaft und strenger Konzentration in Satz und Form einen Höhepunkt romantischer Chorlyrik, der sich mit der Madrigalkunst der späten Renaissance wie auch mit dem jahrhundertealten Anspruch geistlicher Vokalmusik messen kann.

Mit einer Auswahl verschiedenartiger Werke stellt diese CD also eine kleine Anthologie des romantischen Chorliedes dar. Aufnahmen mit dem Chor des Bayerischen Rundfunks aus den Jahren 1990 bis 2004 gewähren zugleich einen Rückblick auf die jüngere Geschichte des Ensembles, das im Mai 2006 seinen 60. Geburtstag feiern konnte. Eine entscheidende Prägung erfuhr der Chor in dieser Zeit durch Michael Gläser, der 1989 als Künstlerischer Leiter in München antrat. Rupert Huber arbeitet regelmäßig als Gastdirigent mit dem Chor zusammen und ist auf dieser CD mit einem seiner Spezialgebiete, der Chormusik von Robert Schumann, vertreten. Die jüngste Einspielung der Sammlung weist in die Zukunft. Sie war die erste gemeinsame Produktion mit Peter Dijkstra, der 2005 die Leitung des Chores übernommen hat.

Judith Kaufmann


OEHMS Classics
Kat.-Nr. OC 589
Format: CD
Anzahl: 1

Weitere Informationen: www.oehmsclassics.de.




Bild
 Bukarest, Opera Nationala Romana
© Opera Nationala Romana



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