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 CD     
  Bruckner, Anton - Mozarteum Orchester Salzburg 
Symphony No. 7 in E major

Mozarteum Orchester Salzburg
DIRIGENT | Ivor Bolton


Als Dirigent von Barockopern, besonders in den Produktionen der Münchner Staatsoper, erntete Ivor Bolton internationales Renommee. Dabei blieb oft unberücksichtigt, dass der britische Dirigent auch eingehende Erfahrungen in der Aufführung von Werken der Klassik, Romantik und Moderne gesammelt hatte. Umso größer war die Spannung, als er mit dem Mozarteum Orchester Salzburg, dessen Leitung er seit 2004 innehat, einen Bruckner-Zyklus begann. Die Einspielung der 5. Sinfonie (OC 364) wurde von der Musikkritik als absoluter Überraschungserfolg gewertet! Sie wurde in vielen Rezensionen als ebenbürtig neben den Neueinspielungen von Harnoncourt und Thielemann gewertet. Mit der Sinfonie Nr. 7 erscheint nun die zweite Folge des Salzburger Bruckner-Projekts.

Anton Bruckner: Sinfonie Nr. 7

Josef Anton Bruckner verbrachte den Sommer 1881 im Stift St. Florian. Nach Abschluss der Sechsten am 3. September begann er dort 20 Tage später bereits mit Entwürfen zur nächsten Partitur. Prof. Dr. Leopold Nowak schrieb im Vorwort der von ihm 1954 vorgelegten zweiten revidierten Studienausgabe: Im Lebenswerk … nimmt die VII. Symphonie eine eigene Stellung ein. Sie war es, die dem Meister den ersten „großen“ Erfolg brachte, die als erste Eingang fand in weite musikalische Kreise … (Sie) steht als vollreifes Werk in der Mitte der zweiten großen Schaffenswelle …

Auch in ihr zeigen sich jene Stilmerkmale, die Bruckners OEuvre von dem seiner Zeitgenossen unterscheiden. Gleich das Hauptthema des ersten Satzes ist vom Bewusstsein des Klanges erfüllt: Vom Tremolo eines irisierenden E-Dur-Leuchtens umgeben steigt der Hauptgedanke auf und bildet in weitem Bogen, immer neu anhebend, eine unendliche Melodie, die sich bruchlos über 21 alla-breve-Takte zieht: ein Paradebeispiel dafür, was aus einem einfach auseinandergefalteten Dreiklang entwickelt werden mag. Nach solch epischer Einheit geht es zäsurlos in das engstufige zweite Thema, das anfangs zu gleichmäßiger Achtelbewegung erscheint und registerartig instrumentiert ist. Das dritte Thema, fast unisono gesetzt, ersteht danach aus einem einstufigen Motiv.

Solch leicht überschaubare formale Gliederung wirkt entsprechend durchschlagskräftig, die Kontraste sind in ständigem Fluss organisch zusammengefügt. Selbst in der Durchführung bleibt die Atmosphäre weitestgehend gelöst und erfährt nur wenige Momente dramatischer Eintrübung. Die Coda hebt sehr feierlich über einem endlos dünkenden Pauken-Orgelpunkt an und gipfelt strahlend mit der melodischen Zeichnung des Hauptmotivs im Tonika-Dreiklang.

Das Adagio war am 22. Jänner 1883 fertig skizziert. Hier benutzte Bruckner zum ersten Mal die sogenannten „Wagner-Tuben“ – je ein Paar Tenor- und Bass-Tuben in B bzw. F. Später erzählte er dem Kritiker Theodor Helm: Sehen Sie, genau so weit war ich gekommen, als die Depesche aus Venedig (mit der Nachricht von Richard Wagners Tod) eintraf und da habe ich geweint, oh, wie geweint – und dann erst schrieb ich dem Meister die eigentliche Trauermusik.

Diese geht aus der von den Tuben gespielten Überleitung in das Fis-Dur-Seitenthema hervor, das im 3/4-Takt zu sanft sich wiegenden Achteln Trost gibt. Bruckners erster Biograf Max Auer meinte in literarischem Überschwang, dieses erstrahlt in geradezu Mozartscher Schönheit und scheint die Seligkeit des Jenseits als Preis für Erdenqualen zu schildern.

Das eigentliche „Trauerthema“, ernst gestimmt in cis-Moll im 4/4-Takt, wurde zuvor hymnisch an die Streicher abgegeben, die ein choralartiges Motiv mild fortspinnen. Die Verarbeitung erfolgt in drei liedformartig variierten Wellen und gipfelt mit größter Vehemenz im C-Dur-Klang des vollen Orchesters: eine der überwältigendsten Stellen der gesamten sinfonischen Literatur! Der umstrittene Beckenschlag samt Einsatz von Triangel und Pauke an dieser Stelle steht auf einem später eingefügten Blatt, offenbar auf Anraten von Arthur Nikisch, dem Dirigenten der Uraufführung in Leipzig zum Jahreswechsel Dezember 1884/85.

Der Satz könnte aber durchaus auch noch eine andere geheime programmatische Idee zum Ausdruck bringen, nämlich Bruckners persönliche Trauerarbeit um die Toten des verheerenden Ringtheater-Brandes, den er durch die unmittelbare Nähe seiner damaligen Wohnung in Wien erlebt hatte. Noch vor dem Kopfsatz war ja bereits das ungewöhnlich einfache und durchsichtig gehaltene, in a-Moll stehende Scherzo abgeschlossen: Hinter dessen signalartigem Trompetenruf auf Dreiklangbasis über Streicher-Ostinato, den Steigerungswellen und dem „Prasseln“ der Pauken lässt sich mit einiger Fantasie eine Schilderung jener Katastrophe vermuten.

Das Finale knüpft energiegeladen, wiederum alla breve, vom Tempo wie der Dreiklangsthematik her an den Ausgangspunkt an. Dem steht eine ausgedehnter sich verbreitende, von ruhigen Pizzikato-Schritten begleitete Choralsequenz gegenüber, die mit jeder Verszeile höher rückt. (Die überraschende Ökonomie in der Anwendung des Baumaterials belegt dabei die Querverbindung zum Vorangegangenen: Der Ursprung des Themas liegt im dreitönigen Motiv des zweiten Taktes des Hauptgedankens.) Das dritte Thema schließlich entpuppt sich überhaupt als Unisono-Variante des ersten.

Einmalig an diesem König Ludwig II. von Bayern zugeeigneten Opus ist die Steigerungs- und Höhepunktbildung. Sie beherrscht nicht nur jeden einzelnen Satz in sich, vielmehr unterwirft sie diese auch in der Abfolge. Für den entsprechend krönenden Schluss benutzte Bruckner die von ihm erstmals zuvor im Streichquintett in F-Dur erprobte „Bogenform“: Die Themen erklingen nach der Durchführung in umgekehrter Reihenfolge ihres ursprünglichen Erscheinens. Ein dreimaliges Zitat des Beginns beendet das Werk blendend und voller Leuchtkraft.

Horst Reischenböck


OEHMS Classics
OC 568
CD

Weitere Informationen: www.oehmsclassics.de.




Bild
 Berlin, Waldbühne
© Bolk / Berliner Philharmoniker



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