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 CD     
  Concerto Köln play Mozart 
Werke von Wolfgang Amadeus Mozart

Overture to Die Zauberflöte K 629
Les Petites Riens K. App. 10/299b
Serenade in B flat major "Gran Partita" K. 361/370a
Divertimenti in D major K. 136/125 a
Overture to Der Schauspieldirektor K. 486
Serenade in G major "Eine kleine Nachtmusik" K. 525


Wir feiern in diesem Jahr Mozarts 250. Geburtstag, doch wie viel wissen wir wirklich über seine Musik? Auf jeden Fall besitzen wir eine genauere Vorstellung als frühere Generationen, wie sie zu seiner Zeit vielleicht geklungen hat – diese Frage hat uns zweifellos besonders intensiv beschäftigt. Concerto Köln genießt seit vielen Jahren einen überragenden Ruf für seine Aufführungen mit Originalinstrumenten und seine stilgerechten Mozart-Interpretationen. Auf der vorliegenden CD verwirklicht das Ensemble seinen historisch informierten Ansatz in einer Sammlung verschiedenartiger Orchesterstücke. Die klare Artikulation der Streicher (die ersten und zweiten Geigen sitzen auf gegenüberliegenden Seiten), die spezifischen Klangfarben der Holzbläser und die auch im Orchester des späten 18. Jahrhunderts noch übliche rhythmische Unterstützung durch das Cembalo sind in der beschwingten Ouvertüre zur einaktigen Komödie mit Musik Der Schauspieldirektor von 1786 deutlich zu hören. Drei Posaunen – Instrumente, die zur Zeit der Wiener Klassik vor allem mit Kirchenmusik oder, in der Oper, mit übernatürlichen Erscheinungen assoziiert wurden – verleihen der ernsteren Ouvertüre zur Zauberflöte aus Mozarts letzten Lebensmonaten eine besonders eindringliche Wirkung.

Die Partituren dieser Werke liegen in definitiven Ausgaben vor, ihre Entstehungsgeschichte ist gut dokumentiert. Über andere Werke von Mozart wissen wir jedoch trotz umfangreicher usikwissenschaftlicher Forschung viel weniger. Beispielsweise über seinen Beitrag zur Musik des Balletts Les Petits Riens (Die kleinen Nichtigkeiten), den er kurz nach seiner Ankunft in Paris im Mai 1778 für eine Produktion an der Opéra Anfang Juni komponierte. Mozart berichtete später seinem Vater: »... sechs Stücke werden von andern darin sein, die bestehen aus lauter alten miserablen französischen Arien. Die Symphonie und Contredanse, überhaupt halt zwölf Stücke, werde ich dazu gemacht haben.« Leider ist das Werk nur in einer Abschrift ohne Angabe von Komponisten erhalten, so dass die Forschung anhand von Qualität und Stil Vermutungen anstellen musste, welche Sätze von Mozart sind – eine besonders risikoreiche Methode bei Stücken, in denen der Komponist seine übliche Musiksprache den fremden Gepflogenheiten angepasst haben dürfte. Nach der Ouvertüre, einem lebhaften, wenn auch merkwürdig der Grundtonart verhafteten Stück, spielt Concerto Köln in seinem überschäumend fantasievollen Aufführungsstil zehn Tänze. Sieben davon eerden mit Sicherheit Mozart zugeschrieben, bei den anderen gibt es Zweifel – so auch bei Nr. 5, einem Agité für Streicher, das einige Merkmale von Mozarts charakteristischem »g-moll-Stil« aufweist.

Selbst wenn ein Autograph existiert, das Mozarts Urheberschaft eindeutig beweist, kann es andere schwer wiegende Pobleme geben. Waren beispielsweise die drei Sreicherdivertimenti (KV 136 bis 138), die Mozart Anfang 1772 in Salzburg komponierte, für Solisten oder ein größeres Ensemble bestimmt? Es gibt Indizien für beide Theorien. Bei KV 136 entscheidet sich Concerto Köln für eine orchestrale Aufführung, aber mit einer kleinen Gruppe von nur zehn Streichern und Cembalo. Und für welchen Zweck waren diese Divertimenti überhaupt gedacht? Denn die Salzburger Divertimenti (und Streichquartette) hatten in der Regel mehr als drei Sätze, während zur Besetzung von Symphonien und Ouvertüren üblicherweise Holzbläser gehörten. Die Frage ist umso faszinierender, als »diese drei kurzen Werke von einer überbordenden Phantasie sind, die man bei Mozart zu jener Zeit sonst nicht findet«, wie Stanley Sadie in seinem postum veröffentlichten Buch Mozart: the Early Years schrieb. Die beiden (thematisch verbundenen) schnellen Sätze von KV 136 besitzen die Ausgewogenheit und die vorwärts drängende Kraft des seinerzeit als Form noch nicht definierten Sonatensatzes. Dazwischen steht ein Andante, das auf geradezu verblüffende Weise den beschaulichen galanten Stil von Mozarts frühem Mentor Johann Christian Bach verwirklicht.

Rätselhaft ist auch der Anlass für die vermutlich 1781 oder 1782 in Wien komponierte große Bläserserenade, die so genannte Gran Partita, für ein in dieser Gattung bis dahin beispiellos umfangreiches Ensemble von 13 Musikern – je zwei Oboen, Klarinetten, Bassetthörner (Altklarinetten) und Fagott, vier Hörner und Kontrabass. In der Biografie, die Georg Nikolaus Nissen 1828 zusammen mit seiner Frau Constanze, der Witwe des Komponisten, schrieb, ist in einen Mozart-Brief der Hinweis eingefügt, das Werk könnte bei Mozarts Hochzeitsfrühstück im August 1782 gespielt worden sein. Die früheste belegte Aufführung zumindest von vier der sieben Sätze fand bei einem Konzert des Klarinettisten Anton Stadler im März 1784 statt. Wir wissen nicht, welche vier Sätze damals gespielt wurden, doch der dritte Satz, Adagio, in dem sich die Linien von erster Oboe, erster Klarinette und erstem Bassetthorn über einer nahezu gleichbleibenden synkopierten Begeitung verflechten, würde sicher zur Charakterisierung des Werks in einer Besprechung der
Aufführung passen: »herrlich und groß, treflich und hehr!«

Selbst eines der populärsten Werke des Komponisten, Eine kleine Nachtmusik für Streicher, ist von Fragen hinsichtlich der Besetzung und der Funktion umgeben. Das Entstehungsdatum ist bekannt: Mozart trug das Stück am 10. August 1787 in sein Werkverzeichnis ein; zu dieser Zeit arbeitete er auch an Don Giovanni für die Prager Oper. Doch wie bei KV 136 ist nicht sicher, ob es für Solisten oder ein Orchester konzipiert war. Eie Instrumente werden in der Partitur im Singular genannt, die tiefste der vier Linien ist jedoch für Cello und Kontrabass gekennzeichnet, und der Stil erscheint grundsätzlich orchestral – wie die Aufführung durch elf Musiker von Concerto Köln bestätigt. Es ist auch nicht klar, welchem Zweck das Werk im Musikleben Wiens oder Böhmens gedient haben könnte. Ein weiteres Rätsel bietet der ursprüngliche zweite Satz, ein Menuett und Trio, der im Werkverzeichnis genannt, aus dem Autograph aber offenbar entfernt wurde. Letzten Endes lässt sich über die verbleibenden vier Sätze aber mit Gewissheit sagen, dass sie in ihrer formalen Ausgewogenheit, fließenden Melodik und meisterhaften Instrumentierung eine perfekte Symphonie en miniature von einem der anspruchsvollsten Komponisten überhaupt darstellen. Und das ist wichtiger als all die Dinge, die wir über Mozart und seine Musik nicht wissen und vielleicht auch nie wissen werden.
Anthony Burton
(Übersetzung: Reinhard Lüthje)

DG Archivproduktion
Best.-Nr. CD 477 580-0

Weitere Informationen: www.concerto-koeln.de.




Bild
 Wiesbaden, Hessisches Staatstheater
© Martin Kaufhold



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